„Das beste Fleisch der Welt“

Die Preise unten sind nicht mehr aktuell. Das Foto ist 10 Jahre alt.

Uruguay exportiert inzwischen 75-85% seines Rindfleischs ins Ausland, in die USA, nach Europa und Asien. Hier werden hohe Preise bezahlt und das Instituto nacional de carne , das nationale Fleischinstitut überlegt, wie man die Produktion weiter steigern kann.

In Uruguay leben fast vier mal so viele Rinder wie Menschen. Das sind etwa 12 Millionen Tiere. Davon entfallen 10% auf die Milchwirtschaft und 90% auf Schlachtvieh.

Exportiert werden die guten Teile vom Rind, Lende und Entrecôte zB. Die Rippen, Bauchfleisch und der ganze Rest wird im Land verkauft. Da Uruguays Bevölkerung aber zu den Spitzenreitern weltweit im Fleischgenuß gehört, 50-60kg Rindfleisch verputzt ein Uruguayo im Jahr, reichen diese 20% eignes Rindfleisch allerdings nicht aus. Also importiert das Land billiges Fleisch aus Brasilien und Paraguay, damit weiterhin bezahlbares Fleisch für die Bevölkerung zur Verfügung steht.

Das heißt dann: dass das Fleisch in den Theken von Supermarkt und Fleischerei und auch in den Restaurants in den allermeisten Fällen gar nicht aus Uruguay stammt. Und das merkt man mittlerweile auch an der Qualität!

Apropos Qualität: in Europa ißt man gerne zartes, marmoriertes Rindfleisch. Die allermeisten Rinder in Uruguay verbringen immer noch einen Großteil ihres Lebens ( 1-2 Jahre ) auf der saftigen, grünen Weide und sind täglich viele Kilometer beim Grasen unterwegs. Das ergibt festes Muskelfleisch, aber keine feine Marmorierung. Um dieses Qualitätsmerkmal zu erreichen, werden die Rinder in sogenannten Foodlots gemästet. Etwa 100 Tage vor der Schlachtung kommen die Tiere in enge Umzäunungen unter freiem Himmel, wo die Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt ist, und werden mit Kraftfutter aus Mais, Soja und ähnlichem gefüttert. Das kalorienreiche Futter und der Bewegungsmangel führen zur schnellen Gewichtszunahme. Fett wird ins Fleisch eingelagert und fein marmoriert. So produziertes Rindfleisch erzielt Höchstpreise auf dem Weltmarkt.

Nun wird mitnichten nur geschlachtetes, abgepacktes Fleisch in die Welt verschickt. Uruguay exportiert auch lebende Rinder, oft Jungbullen, per Schiff in die Länder im Mittelmeerraum. Vor allem die Türkei, Marokko und Israel importieren Tiere aus Uruguay, um sie mit eigenem Futter im Land zu mästen und gemäß ihren eigenen traditionellen und kulturellen Riten zu schlachten. Auch China importiert lebende Tiere, hier vor allem weibliche Kühe, um die eigenen Zuchtreihen frisch zu halten. Die Rinder sind in speziellen Schiffen, eng zusammengepfercht, 20-30 Tage unterwegs. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden so 171.000 Rinder verschifft.

Dann gibt es in Uruguay noch etwa 34 Millionen Hühner, die sich in Masthühner (30 Millionen) und Legehennen (4 Millionen) aufteilen. Die Masthühner werden in Bodenhaltung zu tausenden in geschlossenen Ställen/Hallen ausschließlich für den heimischen Markt gezüchtet. Hier leben 10-14 Hühner auf einem Quadratmeter. Die Legehennen leben zu 86% in Käfighaltung und produzieren jährlich bis zu 1 Milliarde Eier, die ebenfalls im Land verbraucht werden. Die Betriebe der Käfighaltung haben in einer Halle bis zu 100.000 Tiere, die auf mehreren Stockwerken weniger Platz als ein DinA4 Blatt pro Huhn zur Verfügung stellen. Der Geflügelverband arbeitet an Haltungsverbesserungen, um auch auf dem internationalen Markt mitmischen zu können und die Hühnerprodukte zu exportieren. Die restlichen 14% entfallen auf Hühner auf dem Campo, huevos de campo, die in Freilandhaltung ihr Leben genießen können.

Die Kennzeichnungspflicht unterscheidet sich von der in Europa. In Uruguay werden die Eierschachteln ( nicht die Eier ) mit Verpackungsdatum ( nicht Legedatum ), Mindesthaltbarkeit und Hersteller bedruckt. Allerdings nur die geschlossenen Packungen mit 6 oder 12 Eiern. Oft werden die Eier in offenen maples zu 30 Stück verkauft. Da muss man sich auf die Angaben vom Verkäufer verlassen.

Die Herstellungskosten für Eier, wie auch die Endprodukte, sind relativ teuer. Daher greift die Industrie bei der Mayonnaise- und Nudelherstellung und auch die Konditoren auf Importe aus Brasilien, Argentinien, Europa und USA zurück, wobei hier ausschließlich Eipulver und pasteurisiertes Flüssigei importiert wird.

Hinterlasse einen Kommentar