
Valdense ist der sauberste, ordentlichste und, man möge mir verzeihen, der langweiligste Ort, den wir bisher in Uruguay gefunden haben. Das Landwirtschaftsfest am vergangenen Sonntag brachte etwas Leben und Abwechslung, ansonsten passiert hier nicht viel.

Aus dem italienischen Piemont kommend, zogen viele Valdenser zwischen 1880 und 1915 nach Argentinien und Uruguay, nachdem die religiöse Gemeinschaft von der katholischen Kirche exkommuniziert wurde. Colonia Valdense wurde 1898 gegründet.
Man findet in dem europäisch anmutenden Ort viele Villen mit akkurat angelegten Gärten, alles sehr gediegen und ordentlich. Graffiti sucht man hier vergebens und die Straßen und Gehwege sind so sauber, als sei jeden Tag Kehrwoche.

Die meisten öffentlichen Gebäude sind kirchliche und soziale Einrichtungen. Neben der Kirche gibt es ein großes Altenheim und ein Schulzentrum, das auch in jeder deutschen Kleinstadt seinen Platz gefunden hätte. Es gibt ein Museum aus den Gründungsjahren der Gemeinschaft, das Landwirtschaftsmuseum und sogar eine deutsche Bäckerei. Alles in allem eine fast autarke Gemeinschaft, hier scheint die Zeit vor 60 Jahren stehengeblieben zu sein. Der Altersschnitt der Bevölkerung ist ziemlich hoch. Auch auf dem Fest am Sonntag waren wenige Jugendliche und noch weniger Kinder zu sehen gewesen.
Die Ortschaft liegt an der Ruta 1 bei km120 von Montevideo kommend auf der linken Seite Richtung Rio de la Plata, der noch etwa 7 km entfernt ist. Auf der rechten, landeinwärts gelegenen Seite liegt das von Schweizern gegründete Nueva Helvecia.