Ganz allgemein hat sich seit 2014 das Preisniveau in Uruguay mehr als verdoppelt.
Das merkt man schon, sobald man ins Auto steigt:
damals kostete der Liter Benzin etwa 42 Pesos, heute sind es 92 Pesos.
Die Maut für die einfache Durchfahrt lag bei 60, heute bei 196 Pesos. Bei unserem ersten Aufenthalt zum Jahreswechsel 2008/2009 bezahlte man nur 25 Pesos, was damals 1€ entsprach. Heute entspricht der obige Preis von 195 Pesos fast 5€. Das heißt, dass eine Fahrt zum Beispiel nach Montevideo mit 2 Mautstellen hin und zurück mit fast 20€ zu Buche schlägt. Und dann hat man nicht nicht getankt.
In diesen 12 Jahren hat die uruguayische Währung also enorm an Kaufkraft verloren und die Lebenshaltungskosten verteuert.
Die Mindestlöhne sind, von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend, stärker gestiegen. Die Löhne der normal arbeitenden Gesellschaft allerdings gerade mal um maximal 80%. Das verteuert das Leben der Bevölkerung enorm. Fast aller Uruguayos, die wir kennen, haben mittlerweile 2 Arbeitsstellen.
Die ganzen Zusammenhänge zu erläutern und zu erklären, würde zu weit führen. Das lässt sich ganz einfach im Internet herausfinden.

Aktuell sind Tomaten das große Thema, die mit Abstand die höchste Preissteigerung hinter sich haben und allerorten nur noch für Entsetzen und Kopfschütteln sorgen. Und immer für Gesprächsstoff, egal wohin man kommt. Umgerechnet 12-14€ für 1 Kilo Tomaten muss man momentan bezahlen. Da wird das kleine rote Gemüse doch gleich zum Luxusgut!

2.70€ kostet dieser zuckerfreie Joghurt und 3.40€ 250g Butter, die allerdings nur 200g weise verkauft wird.
Da fragt man sich, wie ein uruguayischer Rentner mit einer Durchschnittsrente von 750-860€ über die Runden kommt. Die Mindestrente liegt übrigens aktuell bei 485€.
Während ich den Beitrag hier schreibe, läuft nebenbei im Fernsehen die Nachrichtensendung und da werden die gestiegenen Preise ganz schnell zur Nebensache!
In den letzten 24 Stunden gab es 4 Morde im Großraum Montevideo. Es hat sich durchschnittlich auf etwa 2 Morde pro Tag eingespielt. Jeder einzelne eine Katastrophe, egal, wer das Opfer ist!

Dann wird live von einem Unfall zwischen einem jungen Mofafahrer und einem Auto berichtet. Mitten im Stadtgebiet Montevideo bei strömendem Regen. Der junge Mann liegt um 18.55h seit über 40 Minuten verletzt im nassen Gras, eine Anwohnerin schützt ihn notdürftig mit dem Regenschirm.

Um 19.21h liegt er immer noch da, die Frau mit dem Regenschirm sitzt bei ihm. Alle anderen Personen haben sich wohl irgendwo untergestellt. Von der gerufenen Ambulanz keine Spur. Die kommt erst um 19.28h, dann kümmert sich ein Sanitäter um das Unfallopfer.
Ich bin momentan ziemlich aufgewühlt und zornig. Mich regen solche Nachrichten zunehmend auf, weil sie kein Einzelfall sind, keine bedauerliche Ausnahme! Ein Unfall kann schnell passieren, uns allen und dann hofft man doch, dass schnellstens Hilfe kommt! Hier hofft man oft vergebens! Wenn keine Ambulanz kommt und die Polizei ist mit einem PickUp da, werden Verletzte schon mal auf die Ladefläche gelegt und ins nächste Krankenhaus gefahren. Kein Witz!
Was wir täglich in den Nachrichten zu sehen bekommen, ist oft erschütternd und zeigt unfreiwillig, wie es hier im Land wirklich läuft. Und was mich am meisten entsetzt, ist, dass das für alle Beteiligten so völlig normal ist.
Ein Feuerwehrmann wickelt seinen Kameraden beim Löschen fast in den Schlauch ein; ein Polizist schmeißt entnervt sein Schutzschild während einer Schießerei zu Boden und stampft davon; ein von einem Auto angefahrenes Unfallopfer wird nach vier Stunden Wartezeit von den Anwohnern in einen Teppich gewickelt und in die nächste Ambulanz getragen; eine Frau wird auf dem Zebrastreifen von einem Auto angefahren, der Fahrer flüchtet, die Frau liegt schwer verletzt auf dem Zebrastreifen und Passanten laufen schön um sie herum, ohne anzuhalten und zu helfen. Ich könnte unendlich weiter auflisten!
Ja! Auch das ist Uruguay, fernab von Hochglanzprospekten und Videowerbung!
Wir bezahlen übrigens etwa 25€ monatlich für den Fernsehempfang.