Seenlandschaft

Am Freitag Nachmittag zeigte das Thermometer 20 Grad an. Die hohe Luftfeuchtigkeit quälte den Kreislauf und die vorhergesagten Gewitter hingen förmlich in der Luft. Gegen 17Uhr hörten wir die ersten Donner und beschlossen, die Tiere von der Weide zu holen. Es dauerte nicht lange, da klatschten die ersten Tropfen herunter. Die Mutterschafe auf der Nordweide kamen eiligst nach oben und verschwanden ohne unser Zutun im Nachtgehege. Regen mögen sie nicht und Gewitter schon gar nicht!

Die Luft war elektrisch aufgeladen, das Gewitter hing direkt über uns und um uns herum blitzte es unaufhörlich. Die Lämmer von der Südweide warteten mit den Ziegen schon am Tor. Der geordnete Rückzug klappte reibungslos, dass es heute keine Schmuseeinheiten gibt, war ihnen klar. Mittlerweile schüttete es wie aus Kübeln. Die Hasen und Hühner mussten heute auf ihre Abendmahlzeit verzichten. Wir beeilten uns, ins Haus zu kommen, draußen wurde es einfach zu gefährlich.

Kerzen an und Sicherung raus war jetzt erst einmal das wichtigste. Kurz vor 18 Uhr war es stockdunkel, nur die heftigen Blitze erhellten die Nacht und die Donner ließen die Fenster erzittern. Das Unwetter wütete die ganze Nacht, erst gegen 7 Uhr am Morgen ließ der Regen nach.

Schon früh am Morgen war das Hochwasser zu sehen und der Wasserpegel stieg unaufhörlich den ganzen Samstag über.

In solchen Situationen sind wir jedesmal froh über unser Haus auf dem Hügel. Noch bevor wir das Grundstück vor acht Jahren gekauft hatten, haben wir in den Urlauben hier die Wetterkapriolen kennengelernt, wussten, welche Wassermassen in kürzester Zeit vom Himmel stürzen können. Einmal sind wir mit dem Auto auf der Straße vom Wasser überrascht worden und wären mit der Strömung davon geschwommen, hätten nicht zwei Anhalter mit im Auto gesessen, die mit ihrer Anwesenheit das Gewicht des Autos erhöht und uns damit vor einer Katastrophe bewahrt hatten.

Überschwemmungen sind hier leider keine Seltenheit und das ist gefährlich für Mensch und Tier.

Aufgrund der Hanglage konnten wir am Morgen die Tiere auf die Weide schicken. Trockenen Fußes können sie nach Herzenslust weiden, wir brauchen keine Angst zu haben, dass sie zu Schaden kommen.

Am Samstag Abend waren die tiefhängenden Wolken verschwunden und die Sonne veranstaltete zum Untergang ein farbenprächtiges Spektakel. Wir bewunderten die entstandene Seenlandschaft, deren Wasser sich in der Sonne spiegelte. Das herrliche Schauspiel lockte auch andere Menschen aus der Umgebung an. Vom anderen Ufer her erklang laute Musik aus einem Autoradio und auch auf unserer Seite kam ein Auto angefahren, die Insassen stiegen aus und fotografierten mit dem Handy die neuentstandene Landschaft.

So wie das Wasser stieg, so sanken die Temperaturen. Heute früh, nachdem sich der Nebel verzogen und die Sonne die Oberhand gewonnen hatte, standen wir in einer gefrorenen Märchenlandschaft. Alles war weiß und glitzerte, auch auf den Rücken der Schafe hatte sich Raureif gebildet. Doch sobald die Sonne darauf schien, löste er sich in kleinen Dampfschwaden auf. Alles dampfte und glitzerte in der aufgehenden Sonne und wir konnten uns gar nicht satt sehen an diesem herrlichen Naturschauspiel.

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