Wenn bei den Schafböcken Anfang Herbst der Hormonspiegel steigt, sind sie kaum noch zu halten. In diesem Jahr waren sie etwas früher dran als in den letzten Jahren. Schon vor vier Wochen bemerkten wir erste Anzeichen, dass es wohl bald los gehen würde. Eines Nachts durchbrach Philipp den Drahtzaun und stattete den Damen im Nachbargehege einen Besuch ab.

Wenn die Hormone brodeln, wird alles zerstört, was im Weg ist, da hält kaum ein Zaun stand. Und es ist ja nicht so, dass die Weibchen abgeneigt wären! Im Gegenteil! Aufreizend schlendern sie am Zaun entlang, possieren und schäkern mit den Böcken, dass es für den Zuschauer schon fast peinlich ist.
Nach dem ersten Ausflug haben wir Philipp am Abend wieder in sein Gehege zurück gebracht, weil es uns etwas zu früh erschien. Die Lämmchen würden im Juli, mitten im Hochwinter zur Welt kommen, das hätten wir gerne noch etwas nach hinten geschoben. Aber wir hatten keine Chance. Wir kapitulierten schließlich vor den Naturgewalten. In der nächsten Nacht war er wieder bei den Damen, also ließen wir ihn für die nächsten acht Tage in der Herde.
Die Konkurrenz in Gestalt von Octavio und Karlchen schaute dem Treiben aus dem angrenzenden Gehege zu.

Octavio ist zu alt, um sich noch auf eine Konfrontation mit seinem Sohn Philipp einzulassen. Dieser sah den Alten allerdings als nicht so harmlos an, durchbrach auch diesen Zaun und ging auf seinen Vater los. Bewaffnet mit seinen Hörnen war der Ausgang absehbar. Am Morgen stand der stolze Sieger im fremden Gehege und der angeschlagene, blutende Octavio hatte sich in seine Hütte zurückgezogen. Das kleine Karlchen hatte wohl gleich die Flucht ergriffen. Er war unversehrt und versteckte sich ebenfalls in der Hütte.

Es war also mächtig was los in den Gehegen und wir wussten nie, was uns am Morgen erwartete. Nachdem die Fronten zwischen den drei Böcken geklärt waren, kehrte etwas Ruhe ein und Philipp genoss seine Zeit bei den Weibchen.
Bis die zwei Böcke auf der Südseite, deren Gehege grenzt auf der anderen Seite an das Gehege der Damen, mitbekamen, was da vor sich geht!

Pittiplatsch, unser heiterer Sonnenschein, lebt mit seinem Papa Luzifer bei den kleinen Männchen und kastrierten Böcken auf der separaten Südweide. Sie sind durch einen stabilen Holzzaun von den Weibchen getrennt. Für den dreijährigen Jungspund kein Hindernis. Die Schädelknochen eines Schafbockes machen auch Holzlatten zu Kleinholz. Also rein ins Vergnügen! Sein siebenjähriger Papa hatte das Nachsehen und blieb brummelnd zurück!
Philipp ließ Pittiplatsch glücklicherweise in Ruhe, es waren genug Schafe da, sodass sie sich nicht ins Gehege kamen. Am Abend brachten wir den Ausreißer wieder zu Papa zurück, der ihm wohl ordentlich die Leviten gelesen hatte. Es blieb bei dem einen Ausbruch.

Nach einer Woche wurde dann getauscht. Philipp kam in sein Gehege zurück und die zwei Braunen durften Lämmchen produzieren.
Octavio und Karlchen kamen in diesem Jahr nicht zum Zuge. Ersterer ist zu alt und der kleine Hänfling einfach noch zu wenig. Karlchen darf dann im nächsten Jahr, wenn er ein großer, kräftiger Schafbock geworden ist, als erster für Nachwuchs sorgen.
Es war eine aufregende Zeit. Wir waren immer auf der Hut, dass alles seine Ordnung hatte. Steffen reparierte unermüdlich die kaputten Zäune. Es ist unglaublich, welche Zerstörungskraft so ein hormongesteuerter Schafbock hat. Aber wir haben die Böcke gut im Griff. Das Vertrauensverhältnis ist so ausgeprägt, dass sie uns nicht attackierten sondern trotz allem recht gut händelbar waren.
Mittlerweile ist wieder Ruhe eingekehrt. Die kleinen Weibchen vom letzten Jahr, die jetzt sieben Monate alt sind und einige alte und kranke Schafe, die nicht mehr trächtig werden sollen, sind wieder mit der Frauenherde vereint. Sie waren sechs Wochen auf einer Extraweide, um sie von den Böcken fernzuhalten. Bei uns bekommen erst zweijährige Schafe ihre Lämmchen. Dann sind sie ausgewachsen und bereit für Nachwuchs. Es gibt weniger Komplikationen, die Mütter nehmen ihre Lämmer bereitwillig an, kurz: wie haben weniger Stress und Arbeit in der Lammzeit.