Licht am Ende des Tunnels

img_1894img_1895Das, was eigentlich schon vor Wochen hätte erledigt sein können, haben wir nun zu Ende gebracht!

Steffen ist mit dem Acker fertig geworden. Heute wird Unkrautvernichtungsmittel gespritzt. Dafür haben wir einen Großbauern vermittelt bekommen, der über einen gut ausgestatteten Fuhrpark verfügt. Er vermietet seine Angestellten und Maschinen an andere Bauern, die sich die vielen benötigten Maschinen nicht leisten können oder wollen. Die Aussaat am Montag kann Steffen dann wieder selbst erledigen. Wir haben eine kleine Sämaschine, die man an den Traktor anhängen kann. Für unsere kleine Fläche ist sie völlig ausreichend.

Unser ehemaliger Angestellter hatte die Bearbeitung des Ackers in den letzten Wochen nach Kräften sabotiert. Jetzt im Nachhinein haben wir viele schlimme Dinge erfahren. Wir sind auf einen Betrüger hereingefallen, der uns belogen und betrogen hat. Das ganze Verhältnis war von Anfang an auf Betrug ausgelegt! Jetzt kümmert sich ein Anwalt darum und wir hoffen, daß der ganze Albtraum bald ein Ende hat.

Es ist schwierig, als Ausländer in einem fremden Land den Überblick zu behalten. Viele freundliche Menschen stürzen sich wie die Geier auf die Neuankömmlinge. Wer freiwillig auswandert, verfügt in der Regel auch über genügend finanzielle Mittel. Und die gilt es, sich unter den Nagel zu reißen, bevor es andere tun. Einige stellen  sich dabei ziemlich plump an, so daß man ihnen schnell auf die Schliche kommt, andere gehen die Sache raffinierter an.

Selbstverständlich sind nicht alle so. Es ist glücklicherweise nur ein kleiner Prozentsatz der Mitmenschen, aber es ist nicht ganz einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir wehren uns immer wieder dagegen, wenn uns gesagt wird : ja, ja, die sind hier alle so. Das stimmt ganz sicher nicht! Und auch wenn wir uns von einem Betrüger haben reinlegen lassen, wissen wir die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der uruguayischen Bevölkerung weiterhin zu schätzen. Ganoven gibt es überall auf der Welt, schlimm, wenn man in ihre Fänge gerät, aber kein Grund, jetzt jeden unter Generalverdacht zu stellen. Vorsicht: ja ! Hysterie: nein !

Wenn man,  so wie wir, aus einem völlig anderen Berufszweig kommend, einen Bauernhof übernimmt, kann einem ein vermeintlicher Experte das Blaue vom Himmel lügen. Man muß es erst mal glauben. Oder: man wird es erst einmal glauben, weil man ja nicht jedem sofort eine böse Absicht unterstellt.

Aber wir haben dazugelernt. Jeden Tag, jede Stunde. Haben beobachtet, bei Zweifeln im Internet nachgelesen und uns so nach und nach einen Überblick verschafft. Das ist wichtig und gut so! Seit einigen Wochen haben wir überlegt, wie wir unseren Angestellten ohne viel Tamtam entlassen können. Lustloses Arbeiten ist kein Entlassungsgrund, unfreundliches Verhalten ebensowenig. Im Grunde waren wir froh, daß er uns mit seinem Ausraster entgegengekommen ist. Und da er der irrigen  Überzeugung war, daß wir ohne ihn nicht klarkommen, meinte er, sich auch das ohne Konsequenzen erlauben zu können. Die bittere Erkenntnis, daß holprige Sprachkenntnisse nicht mit Schwachsinn gleichzusetzen sind, traf ihn nun um so härter. Einsicht allerdings : Fehlanzeige !

Wir genießen hingegen unsere neugewonnene Freiheit, teilen unseren Tag und die anfallende Arbeit wieder selbst ein und sind eigentlich viel schneller und effektiver, als wir es in den vergangenen Wochen gewesen waren.

In Colonia del Sacramento gibt es einen Handwerkermarkt mit kleinen bunten Holzhäuschen, in denen Einheimische Souvenirs und allerlei Krimskrams verkaufen. Er liegt an einer Bucht des Rio de la Plata und man hat von dort einen wunderschönen Blick über das glitzernde Wasser und auf die vielen Segelboote, die bei Sonnenschein und gutem Wind den kleinen Hafen für einen Törn verlassen.  Hier, unter den schattigen großen Bäumen, lässt es sich herrlich sitzen und entspannen. Man kann die vielen Touristen beobachten, Europäer versuchen immer wieder, über den Preis zu feilschen, aber das ist hier völlig unüblich und die Debatten sehr unterhaltsam, während man gemütlich einen Chivito verspeist. Morgen ist wieder Sonntag, und es wird Zeit für einen Ausflug!

Schönes Wochenende 😊

2 Gedanken zu “Licht am Ende des Tunnels

  1. Hallo ihr zwei! ! Das mit eurem Arbeiter ist schon ein starkes Stück! !! Aber es ist wie überall auf der Welt gibt es solche und solche. ..Aber wenn irgendwo eine Tür zu fällt, geht auch wieder ein Fenster auf! !! Ich wünsche euch daß alles gut aus geht und die Ehrlichkeit und Gerechtigkeit siegt! !! Macht weiter so! !!!! Ganz liebe Grüße Conny

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