Freud und Leid – Pferdegeschichten

img_1782img_1787img_1790img_1775In den  letzten Wochen sind über zehn Fohlen auf die Welt gekommen. Das ist immer ein Grund zur Freude und ein besonders schöner Anblick, wenn wir von unserem Haus aus die große Weide überblicken können, auf denen die Tiere friedlich grasen und die Kleinen munter herum springen.

Die Tiere gehören Gastón und der ist momentan in großer Sorge, ob auch alle seine Fohlen die ersten Wochen und Monate überleben. Im letzten Jahr sind ihm alle gestorben, kein einziges Fohlen hat es geschafft. Vorgestern lag leider wieder ein Neugeborenes tot im Gras. Woran sie starben, kann er nicht sagen. Einige vom letzten Jahr waren mißgebildet, die anderen starben einfach so. Nun hoffen wir, daß sich die Todesserie nicht wiederholt.

Er macht jeden Tag seinen Rundgang durch die Herde und hat letzte Woche das Tier mit der großen Bauchverletzung gefunden. Es ist irgendwo hängengeblieben und danach in Panik davon gestürmt.Dabei wurde die Haut großflächig abgerissen. In Deutschland wird in solchen Fällen sicher der Tierarzt gerufen, hier gilt die Devise: selbst ist der Mann! In der Apotheke kann man für die Tiere alles ohne Rezept bekommen: Nahtmaterial und Desinfektionsmittel, Schmerzmittel, Lokalanästhetikum und auch Antibiotika. Gut ausgerüstet mit allem Nötigen hat er dann das verletzte Pferd auf den Trailer geladen und mit nach Hause genommen. Dort wurde es betäubt, versorgt und genäht. Am nächsten Tag stand es dann schon wieder auf Gastóns  Wiese vor seinem Haus beim Grasen.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welchen Verletzungen die Tiere hier versorgt werden und vor allem, daß sie sie Prozeduren auch überleben. Hygienevorschriften existieren hier nicht. Ich hoffe mal, daß das in der Humanmedizin etwas anders gesehen wird.

Gastón hat eine Schachtel voll mit Materialien für die Tierversorgung. Zwei, drei Plastikspritzen und einige Kanülen, die nach Gebrauch mit Wasser kurz abgespült werden und für den weiteren Gebrauch wieder in der Kiste verschwinden. Da wird Antibiotikum gespritzt, Schmerzmittel verabreicht und auch ab und an mal Vitamine für ein krankes Tier aufgezogen. Alles in der gleichen Spritze und solange die Kanüle nicht verbogen ist, wird die auch benutzt. Ich halte mich von der ganzen Sache fern und will nichts damit zu tun haben. Mir sträuben sich schon die Nackenhaare, wenn ich nur daran denke. Das ist so ganz gegen meine Überzeugung, aber da er in dieser Hinsicht völlig beratungsresistent ist, halte ich mich da raus.

Auf Steffen hört er wenigstens ab und zu. Dem Apotheker blutet das Herz, wenn er mitbekommt, welch abenteuerliche Dosierungen und Mischungen hier verabreicht werden. Ganz nach dem Motto: viel hilft auch viel oder, noch schlimmer: das war teuer, da gehe ich sparsam mit um, wird hier ohne Verstand munter über- und unterdosiert. Solange Gastón seine eigenen Tiere behandelt, halten wir uns raus. Sobald aber eines der unseren eine Behandlung braucht, schauen wir ihm ganz genau auf die Finger und in diesem Fall hat er sich auch an unsere Anweisungen zu halten.

Schon vor einigen Jahren wurde uns erzählt, daß es auf dem Land keine Tierärzte für Großvieh gibt. In den Städen gibt es Tierärzte für Kleintiere, die sind die meiste Zeit mit Impfen, Sterilisieren und Kastrieren beschäftigt. Ich fand das damals schade und habe mir so meine Gedanken gemacht, warum das so ist. Mittlerweile bin ich zu einer Erkenntnis gekommen. Die Bauern hier müssen ihre Tiere nicht selbst behandeln, weil es keine Ärzte gibt, sondern es gibt keine Ärzte, weil die gegen die Bauern, die alles besser wissen, weil man das ja immer schon so macht, gar keine Chance haben. Selbstverständlich müsste ein Tierarzt für die Behandlung Geld bekommen und das spart man sich lieber und quacksalbert selbst herum. Wenn da ein junger, studierter Mediziner einem alten Campesino erzählen würde, was er zu machen habe, ich glaube, da wäre die Androhung von Prügel noch das kleinste Übel.

7 Gedanken zu “Freud und Leid – Pferdegeschichten

  1. Oh je! !! Da würde mir auch das Herz bluten wenn ich dem Quacksalber zu schauen müsste! !! Ich glaube das gäbe richtig Ärger! !! Aber Hauptsache euch und euren Tieren geht es gut. Ihr macht das nämlich richtig gut.

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    1. Hallo Conny, du liebe und treue Seele, ich freue mich immer, von dir zu hören!
      Seit gestern haben wir noch sechs Perlhühner und endlich eine Partnerin für unseren Fasan gefunden!! Es ist so schön, unser Vogelgehege und wie sie alle miteinander auskommen, mal mehr, mal weniger gut. Da fliegen manchmal die Federn, aber sie vertragen sich wirklich, und zwischen drin die zwei Hasen! Allerliebst. Morgen gibt es noch mal Zuwachs, wenn alles gut geht. Dann gibt es eine neue Geschichte und Bilder.
      Liebe Grüße
      Gabi

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  2. Hallo ihr zwei. Habe vor ca. 4Wochen ein Päckchen geschickt. Wollte nur mal nachfragen ob es vielleicht schon angekommen ist. Lg.Conny

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  3. Okay
    Hätte eine kleine Überraschung werden sollen
    Aber es ließ mir jetzt doch keine Ruhe. ..Dann kommt es noch
    …irgendwann. Es ist halt am anderen Ende der Welt. ..

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    1. Am Ende der Welt und noch viel weiter 😍 Ja, bis jetzt ist eigentlich immer alles angekommen, da braucht man Geduld.
      Aber schon mal vielen lieben Dank, die Überraschung ist dir trotzdem geglückt.

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  4. Andere Länder…andere Sitten….und ziemperlich sind sie auch nicht gerade.Ich hoffe mal die Tipps vom Steffen fallen hin und wieder auf fruchtbaren Boden.
    Die Wunde sah wirklich schlimm aus.Ich drücke die Daumen, das alles gut verheilt.

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