Das Rad der Zeit

…..macht auch in Uruguay nicht halt. Das einzig Konstante ist die Veränderung.

Uruguay hat sich in den letzten 18 Jahren, in denen wir das Land kennen und bereisten, unglaublich verändert. Das, was wir vor vielen Jahren vorfanden, gibt es heute so nicht mehr. Und wenn wir darüber nachdenken, welch eigentlich kurzer Zeitraum diese 18 Jahre sind, kommen sie uns doch fast wie 100 Jahre vor.

Uruguay hat den Sprung in die Moderne geschafft. Das gemütliche, einfache, überschaubare Gaucholand ist modern geworden.

Vor 18 Jahren noch prägten Pferdekutschen das Stadtbild von Montevideo und Verkehrsaufkommen, Stau und Parkplatzsuche mit dem Auto gab es damals noch nicht. Müllsammler mit ihren Einspännern waren unterwegs und hielten die Stadt sauber. Die einen sammelten Papier, die anderen Plastik. Da lag kein Fitzelchen Dreck auf dem Gehweg oder im Straßengraben. Auf den Straßen waren Kutschen allgegenwärtig und wir lieferten uns einmal auf der Ruta 1 ein Rennen mit einem klapprigen alten Pferd, das eine noch klapprigere Kutsche zog. Wir waren damals mit dem Fahrrad unterwegs und ja….wir haben das Rennen gewonnen! Da konnte der alte Kutscher sein Pferd antreiben wie er wollte.

Verkehr gab es kaum. Auf den „Autobahnen“ waren Fußgänger, Radfahrer, Kutschen und ein paar Autos unterwegs, so wenige, dass Kinder auf den Mittelstreifen Fußball spielten. Heute undenkbar!

In Montevideo gab es eine Touristenpolizei, die immer zu zweit unterwegs waren. Mal zu Fuß, mal zu Pferd oder später ganz modern mit dem Segway. Sie waren gefühlt überall und man konnte sie nach dem Weg fragen, ein Schwätzchen halten oder sich mit ihnen fotografieren lassen. Man fühlte sich beschützt und geborgen. Heute gibt es weder die Müllsammler, noch die Touristenpolizei. Und danach sieht die Stadt heute leider auch aus.

Die Jugend war vor 18 Jahren noch mit dem Pferd unterwegs. Gerade auf dem Land war das Pferd das beliebteste Fortbewegungsmittel. Heute knattern Mofas und Motorräder durch die Landschaft.

Sind wir so schnell so alt geworden?

Jetzt, in der semana de turismo, finden in Montevideo die traditionellen Reiterspiele, die jineteadas statt. Es werden von Tierschützern Unterschriften gesammelt, die gegen die Pferderennen protestieren. Nicht mehr zeitgemäß, Tierquälerei! Ein Protest auch gegen die Gauchotradition, die jahrzehnte und jahrhundertelang das Bild Uruguays geprägt hat.

Ja, Uruguay ist in der Moderne angekommen. Blitzapparate prägen das Straßenbild und versuchen, das mittlerweile riesige Verkehrsaufkommen in Bahnen zu lenken. Allerorten schießen Wolkenkratzer aus Stahl, Beton und Glas in die Höhe und machen jedes Stadtbild beliebig. Kilometerlange Staus schieben sich durch die Straßenschluchten wie überall auf der Welt.

Wie wird sich Uruguay in den nächsten 10 Jahren verändern? In genau der gleichen Geschwindigkeit? Was wird übrig bleiben von dem Land im Leerlauf, das uns vor 18 Jahren so fasziniert hat? Die Gauchotradition triftet schon jetzt ab in die Folklore. Die Städter haben die Zeit schon lange hinter sich gelassen und auch auf dem Land wird die Zeit nicht stillstehen und die Jugend wird sich mit der neuen Zeit arrangieren müssen, um nicht komplett abgehängt zu werden. Aus dem „Land im Leerlauf“ ist ein „Land im Wandel“ geworden.

Die einen werden es begrüßen, die anderen bedauern.

Denkt bitte daran, wenn ihr meine Beiträge von vor vielen Jahren lest. Das, was ich vor 10 Jahren geschrieben habe, war damals aktuell, muss es aber heute nicht mehr sein. Vieles hat sich auch da verändert. Gesetze, Regeln, usw sind im stetigen Wandel, Geschäfte oder Museen sind heute geschlossen, die wir damals besucht haben. Es ist ein Zeitzeugnis, aber nicht für die Ewigkeit.

Hinterlasse einen Kommentar