Gestern war ich noch mal in Colonia beim Zahnarzt. Mein Zahn ist jetzt vollständig repariert und ich habe keinerlei Probleme mehr.
Alles in allem hat die Zahnbehandlung, zwei Konsultationen in der Praxis und ein Röntgenbild, umgerechnet etwa 120€ gekostet.
Zahnbehandlungen werden hier privat sofort nach der Behandlung kassiert. Die Krankenkasse übernimmt nichts.
Wir sind bei einer sogenannten mutualista krankenversichert. Das ist etwa vergleichbar mit einer gesetzlichen Krankenkasse für Beschäftigte in Deutschland. Wir bezahlen ungefähr 120€ pro Monat und Person. Der Betrag beinhaltet die Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Für die Krankenversicherten ist der Betrag allerdings nur die „Eintrittskarte“, dass man eine Behandlung in Anspruch nehmen kann und die ist keineswegs kostenlos.
Wenn man gesund ist, spart man gegenüber den anfallenden Beiträgen in Deutschland eine Menge Geld. Sobald man krank wird, Zahnweh bekommt oder noch gravierendere Beschwerden hat, empfiehlt es sich, auf eine schon vorher gut gefüllte Kasse zurückgreifen zu können. Denn die Behandlungskosten sausen schnell in ungeahnte Höhen. Jeder Arztbesuch, jede Blutentnahme, jede Rezeptausstellung wird abkassiert. Ausgenommen sind Impfungen, die vom Gesundheitsministerium empfohlen sind. Die gibt es umsonst. Auch die Mammographie für Frauen über 60 Jahre ist kostenlos.
Viele Medikamente, die man aus Deutschland kennt, sind auch hier erhältlich, allerdings zu einem erheblich höheren Preis. Je nach Krankenkasse müssen bei rezeptpflichtigen Medikamenten unterschiedliche Zuzahlungen geleistet werden. Wird kein Rezept verlangt, bezahlt man den vollen Preis.

Momentan ist das Gesundheitsministerium daran, die Wartezeiten in Polikliniken und Krankenhäusern für die Patienten reduzieren zu wollen. Das kennt man aus Deutschland. Auch hier in Uruguay wartet man unter Umständen oft stundenlang auf ein Folgerezept für ein Dauermedikament. Für nicht lebensrettende Behandlungen wie Röntgen oder Computertomographie können die Wartezeiten bis zu 3 Monate betragen und auch für Krebsbehandlungen warten Patienten manchmal bis zu 4 Wochen.
Wir wohnen abseits der Ballungszentren und haben in den sehr wenigen Fällen, in denen wir einen Arzt aufsuchen mussten, immer Glück gehabt und wurden sofort behandelt. Das ist nicht immer der Fall. Wir sahen schon lange Schlangen von Wartenden vor Polikliniken. In einigen Videos auf YouTube berichten Menschen von langen Wartezeiten in den Notaufnahmen. Es ist also keineswegs selbstverständlich oder üblich, dass man hier sofort behandelt wird. Auch auf das Kommen eines Krankenwagens kann man sich nicht ohne weiteres verlassen und einen Arzt findet man da nicht an Bord.
Man kann sich in Uruguay natürlich auch privat versichern. Privatkliniken gibt es von verschiedenen Anbietern in Montevideo und Umgebung. Hier liegen die Kosten für den monatlichen Beitrag allerdings im hohen dreistelligen Bereich.
Oft wird im Internet gegenteiliges behauptet und man tut gut daran, sich vor Abschluss einer Krankenversicherung beim Anbieter! genauestens zu erkundigen und sich nicht auf sogenannte Empfehlungen von Laien zu verlassen.