Zuerst die allerbeste: es hat heute Nacht geregnet!!!!!
Angekündigt war eine Gewitterfront, die von Argentinien kommend, über Uruguay ziehen sollte, nachdem in den letzten Wochen fast alle Wolken einen Bogen um das kleine Land gemacht hatten. Gestern war es schwül und heiß, die Sonne brannte vom Himmel und wir warteten, wie immer, auf den versprochenen Regen. Bis zum Abend tat sich nichts. Als es dunkel war, bekam Steffen per WhatsApp die erste Nachricht: „bei uns regnet es“
Schön für euch, dachten wir und ich warf einen Blick in den Nachthimmel. Der halbe Mond leuchtete, die Sternlein funkelten, keine Spur von Regen! Ziemlich frustriert gingen wir dann ins Bett. Wenn heute nichts kommt, verbrennen wir die nächsten zwei Wochen bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen zwischen 30 und 34 Grad! Kein Regen mehr in Sicht!
Mitten in der Nacht wurden wir dann von einem heftigen Gewitter geweckt. Es blitzte und donnerte und schüttelte von jetzt auf gleich wie aus Kübeln. Bingo!!!!
Vorhergesagt waren 8-10 mm. Als wir heute Morgen unseren Regenstandmesser kontrollierten, waren wir mehr als überrascht: 42 mm.
Das erspart uns mindestens zwei Tage das Gießen und auch die Bäume auf den Weiden bekamen ihren Teil ab. Viele, vor allem die Eukalyptus-Bäume, waren schon ziemlich vertrocknet und warfen die welken Blätter ab.
Der Aussaat auf den Feldern ringsum wird der Regen nicht mehr viel helfen. Aber wenigstens hat das Landwirtschaftsministerium jetzt beschlossen, den Notstand auszurufen und den am schlimmsten betroffenen Bauern unter die Arme zu greifen.
Die seit drei Monaten herrschende Trockenheit zieht einen ganzen Rattenschwanz an Konsequenzen hinter sich her. Es gibt kaum mehr Schlachtvieh. Der Schlachthof in Tarariras hat Kurzarbeit und unbezahlten Urlaub verordnet, nachdem im letzten Jahr schon massiv Personal abgebaut worden ist. Der Milchviehbestand im ganzen Land sinkt rapide. Immer mehr Bauern geben den Milchbetrieb auf. Die Milchwerke haben nicht genug Auslastung und reduzieren ebenfalls.
Es wurde kaum ausgesät, also auch kaum Dünger verkauft, der Dieselverbrauch sinkt, die Werkstätten haben nichts zu reparieren, die Lastwagenfahrer, die normalerweise die Ernte zu den Silos transportieren, haben keine Arbeit…….und so weiter und so fort. Wenn weniger verdient wird, wird auch weniger Geld ausgegeben. Das merken zuallererst die Gaststätten und Imbisse, das Mittagsgeschäft bricht ein. Eine Abwärtsspirale, die kaum aufzuhalten ist!