Um Nutztiere von einem Ort zum anderen bringen zu können, benötigt man in Uruguay einen Transportschein. Dieser besteht aus vier beidseitig bedruckten Formularen. Das Ganze muss per Hand mit Blaupause ausgefüllt werden. Man bekommt diese Transportscheine im Rathaus seiner zuständigen Gemeinde. Allerdings nicht kostenlos, man muss eine Gebühr dafür bezahlen. Kaufen darf sie nur der Besitzer der Tiere, man kann also keinen Angestellten schicken oder dem Nachbarn sagen: „Wenn du hinfährst, bring mir einen mit.“

Die Zettel sind, natürlich, in spanischer Sprache. Nur die Tiere, in unterschiedliche Altersstufen und Geschlecht unterteilt, stehen in der lateinischen Beschreibung dort, und das ist mitnichten das Gleiche! Wer sich hier mit den Bezeichnungen nicht auskennt, kommt ganz schnell ins Schwitzen.
Neben der genauen Beschreibung des/der zu transportierenden Tiere wird auch das Transportmittel inklusive Kennzeichen, dessen Fahrer, die genaue Reiseroute, Datum und die Abfahrtszeit notiert. Am Zielort angekommen, wird die Ankunftszeit eingetragen. Ist die Endstation eine Versteigerung oder Veranstaltung, ist immer Polizei vor Ort, die die Papiere kontrolliert und abstempelt. Ist der Zielort ein privater Käufer, müssen die Papiere der dort zuständigen Polizeidienststelle zeitnah zum Abstempeln vorgelegt werden. Die fertigen Papiere übergeben wir dann unserem Steuerberater, der die fälligen Steuern für den Transport dem Finanzamt überweist.
Für jede Fahrt ist ein neuer Transportschein auszufüllen, ganz gleich, ob man ein oder 50 Tiere transportiert. Vor der Ausgabe desselben wird im Rathaus geprüft, ob die Steuern der letzten Fahrt auch bezahlt sind. Sonst gibt es keinen neuen Schein!
Der Transportschein dient ausschließlich der finanziellen Sache, nicht dem Tierwohl. Wir haben schon gesehen, wie ein Mofafahrer sich ein an den Füßen gefesseltes Schaf über die Schulter warf oder auf die Beine legte und, den Matebecher in der einen Hand, die Thermoskanne unter den Arm geklemmt, losfuhr. Solange er den Transportschein dabei hat, ist alles in Ordnung. Schafe, Ziegen oder Kälbchen auf der Rückbank oder gefesselt auf der Ladefläche eines PickUp liegend; alles ist möglich, wenn nur die Papiere in Ordnung sind!
Straßenkontrollen sind in Uruguay viel häufiger als in Deutschland, die Gefahr, ohne Papiere erwischt zu werden, um ein vielfaches höher. Gerade auf den asphaltierten Strecken und den Rutas wird sehr oft kontrolliert, vor allem dann, wenn in der Umgebung eine Versteigerung oder Reitturniere stattfinden. Die Strafen bei fehlenden Papieren sind keine Knöllchen ( so nach dem Motto: dann zahl ich halt die 20€ ), das sind richtige Knollen, die ein gewaltiges Loch in den Geldbeutel reißen und vor allem im Zentralcomputer gespeichert sind. Sowas wird nicht vergessen!!!
Multas – Geldstrafen allgemein sind in Uruguay um ein vielfaches höher als in Deutschland!