Die Nacht vor dem Nationalfeiertag am 25.August gehört der Musik und dem Tanz. Seit 1978 wird die noche de nostalgia im ganzen Land gefeiert. Bars und Restaurants bieten vielfältige Veranstaltungen. Es werden üppige Menüs angeboten, im Anschluss daran lockt das Parkett zum Tanz. Die Musik ist nostalgisch, Oldies werden gespielt, von den Rolling Stones, Village People und wie sie alle hießen.
In diesem Jahr ist alles einbisschen anders. Es ist alles einbisschen zu teuer geworden und die Uruguayos haben darauf wenig Lust. Die Eintrittspreise zu den Veranstaltungen sind horrend. Viele der schon vor Wochen angemeldeten Aktivitäten wurden wieder abgesagt, weil es an der Nachfrage fehlt. Bei den großen Veranstaltungen in Montevideo und Punta del Este sind Reservierungen erwünscht. In diesem Jahr wird man wohl auch noch ganz spontan einen Tisch im Restaurant bekommen.
Die Touristen aus Argentinien fehlen, weil für sie Uruguay einfach zu teuer geworden ist. Und auch die Uruguayos halten ihr Geld lieber zusammen und nutzen das verlängerte Wochenende zu einem Ausflug ins Nachbarland, denn Argentinien ist momentan absolut billig! Kleidung, Elektronik, Lebensmittel; das alles gibt es dort drüben für einen Bruchteil des Geldes, das man hier im Land dafür bezahlen müsste. Die Zahl der Landflüchtigen geht in die Hunderttausend. An den Grenzübergängen stauen sich die Autos. Busse und Fähren sind voll! Die Uruguayos fluten Argentinien.
Seit einigen Tagen rumort es allerdings im Nachbarland ganz gewaltig. In Buenos Aires, Mendoza und Córdoba sind bewaffnete Plünderer unterwegs, rauben und randalieren und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Die anrückende Polizei liefert sich Straßenschlachten mit den Plünderern und die Menschen trauen sich nicht mehr auf die Straße. Die Wirtschaftskrise schürt soziale Unruhen, die nun in Gewalt ausarten. Das Land leidet seit Monaten an einer gewaltigen Inflation von über 100%, Mitte des Monats haben viele kein Geld mehr, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Über 40% der Kinder leben unter der Armutsgrenze, leiden Hunger und sind nicht angemessen gekleidet.
Ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen und außer Kontrolle geraten kann.
Wir sehen mit Sorge ins Nachbarland. Hoffen, dass die Regierung die Lage wieder in den Griff bekommt und das Ganze nicht weiter eskaliert!