„Unter keinem guten Stern“

Die diesjährige Lammzeit steht bisher unter keinem guten Stern. 18 Lämmer sind zur Welt gekommen, drei haben wir schon begraben müssen und vier als Flaschenlämmer im Haus.

„Chanel“ konnte mit ihrem Lämmchen leider nichts anfangen, sie stieß es weg und wollte nur ihre Ruhe. Nach einigen Stunden hatten wir ein Einsehen und nahmen das schwarze Lamm zu uns, Chanel eilte erleichtert auf die Weide.

Am Sonntagmorgen öffnete ich das Gatter von der Nachtweide, um die schon wartenden Schafe hinaus zu lassen. Ein kurzer Blick über das Gelände zeigte uns, dass heute kein Neuzugang zu begrüßen war. Die Herde war schon fast komplett draußen, als ich ein hohes Stimmchen „Mäh“ rufen hörte! Von außerhalb der Umzäunung!!!! Ich rief nach Steffen, lotste ihn in die richtige Richtung und er schnappte sich dann den Ausreißer neben der Bambushecke. Wie war das Lamm da hingekommen? Neugeborene Lämmer bleiben immer bei der Mutter und gehen nicht einfach alleine spazieren, geschweige denn, überwinden zwei Zäune und suchen das Weite! Wir machten uns auf die Suche nach der Mutter, fanden schließlich auch eine Kandidatin und stellten ihr das Lamm vor die Nase. Sie roch daran, kam dann wohl zu dem Schluss: „nein, der gehört nicht mir“ und machte sich von dannen! Somit hatten wir ein weiteres Flaschenlamm.

Gestern kamen zwei mal Zwillinge zur Welt. Das erste Pärchen wurde von einer kranken Schafmutter entbunden, die seit Tagen nicht aufstand und von der wir nicht wussten, dass sie überhaupt trächtig war. Wir hatten in der Nacht -4 Grad. Die Lämmer sind erfroren, weil die Mutter sich nicht kümmern konnte. Eines davon konnten wir gestern noch wiederbeleben, es schien sich zu erholen, heute am Vormittag ist es leider auch gestorben.

Die zweite Zwillingsmutter kümmerte sich rührend um ihren Nachwuchs, es folgte ihr allerdings nur eines davon. Das zweite Lämmchen fand den Anschluss nicht und damit es nicht verhungert, nahmen wir es mit ins Haus.

Heute Morgen kam ein weiteres Lamm auf der Nachtweide zur Welt. Wir ließen Mutter und Kind dort, damit sie sich kennenlernen und erholen konnten, während die übrige Herde auf die Weide marschierte. Nach etwa zwei Stunden sah ich nach den Beiden. Die Mutter stand am Zaun zum Nachbarn, das Lamm war weg. Dann hörte ich ein klägliches „Mäh“ und rannte hin, weil ich dachte, das Lamm sei durch den Zaun geschlüpft. Dann flog ein großer Raubvogel auf! Ich zwängte mich durch den Zaun und fand das Lamm blutüberströmt und schreiend dastehen. Der Vogel hatte das Lamm übel zugerichtet. Ich brachte das arme Tier ins Haus und versuchte, es zu verbinden. Steffen war am Morgen nach Tarariras gefahren und kam erst gegen Mittag wieder. Nach seiner Rückkehr erlösten wir das Lamm von seinem Leid, es war nicht zu retten gewesen.

Die Tage sind gefüllt mit Milchflaschen richten, Windelwechsel und Krankenpflege. Die Waschmaschine fährt extra Schichten. Unser großes schlaffes Lamm haben wir ja auch noch, um das wir uns intensiv kümmern müssen. Mittlerweile kann es einige Sekunden alleine stehen, es macht also Fortschritte. Ob es jemals alleine laufen kann, wird die Zukunft zeigen. Die Mutter suchte und schrie drei Tage nach ihm und lief zu uns, wenn sie uns sah, wusste sie doch, dass wir ihr das Lamm weggenommen hatten.

Die emotionale Belastung ist zur Zeit sehr hoch. Die Arbeit ist zu schaffen, wenn auch vieles liegen bleibt, weil die Lämmer oberste Priorität haben! Aber der Tot der Lämmer und vor allem die Vogelattacke belasten uns doch sehr. Bisher haben uns die Flaschenlämmer in der Nacht durchschlafen lassen, damit wir den Anforderungen der Tage wenigstens einigermaßen gewachsen sind.

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