Letzte Woche wurden wir durch einen quietschenden und kreischenden Lärm gestört, der von gar nicht weit weg aus dem gegenüberliegenden Wald kam.
Eine „kleine“ Maschine schnitt Schneisen in den Wald, genau dort, wo wir durch das Tor unser Grundstück verlassen und auf den Schotterweg kommen.
Was das bedeutet, war uns sofort klar, wir hatten nur noch nicht jetzt damit gerechnet. In vier/fünf Jahren vielleicht. Aber nicht jetzt!
Alle 12-15 Jahre wird ein Eukalyptus-Wald abgeerntet. Das heißt: die Bäume werden gefällt, entastet, in gleich lange Stücke geschnitten und mit riesigen, schweren Lastwagen in die Zellulose-Fabrik gekarrt. Dort wird in mehreren Prozessen Pappe für Verpackungen hergestellt. Das ist in den letzten Jahren für die hiesigen Bauern zu einem lukrativen Geschäft geworden. Sie verpachten ihr Land an die finnische Firma und bekommen regelmäßig ihr Geld, ohne noch einen Finger zu rühren. Das Geschäft läuft gut. Neben der vor fast zehn Jahren gebauten Zellulose-Fabrik am Rio de la Plata, wird gerade im Landesinneren eine weitere errichtet, mit der Folge, dass noch mehr Eukalyptus-Wälder aufgeforstet werden. Kilometerlange Monokulturen. Hierfür werden extra für das hiesige Klima entwickelte Bäumchen gepflanzt, die mit wenig Wasser auskommen und rasend schnell wachsen.
Der Wald gegenüber ist noch keine zehn Jahre alt. Aber die Bäume sind wohl schon groß genug, um gefällt zu werden.

Die Maschine fällt immer ein Bündel von acht oder zehn Bäumen und legt sie zur Seite. So wurden in relativ kurzer Zeit die Schneisen in den Wald geschnitten. Platz, den die großen Erntemaschinen brauchen, die in einigen Monaten kommen sollen.
Da kommt was auf uns zu!!! Der fürchterliche Lärm ist nur eine Sache, die uns etwas Sorgen macht. Letzte Woche waren unsere Tiere schon aufgeschreckt und ängstlich. Was wird das erst werden, wenn der ganze Wald gefällt wird und die Lastwagen im Minutentakt hier vorbei rauschen?
Wenn das Holz, schön zurecht geschnitten, abtransportiert wurde, wird die Fläche gesäubert, damit die in der Erde verbliebenen Wurzeln neu austreiben. Und da geht keine Putzkolonne mit Besen und Rechen durch den Wald! Die ganzen kleinen und großen Äste werden verbrannt. Das gibt ein kontrolliertes Höllenfeuer mit ordentlich Rauch und Dreck!
Ganz abgesehen von der enormen Belastung unseres Schotterweges durch die schweren Lastwagen. Wenn die Waldarbeiter ihre Arbeit erledigt haben, wird kein Weg mehr existieren.
Aber daran wollen wir jetzt erst mal nicht denken. Die Schneisen sind geschlagen, nach drei Tagen war wieder Ruhe auf dem Campo und ich habe mir die ganze Arbeit dann auch mal aus der Nähe angeguckt. Denn bei aller Abneigung gegen diese Eukalyptus-Wälder und dem daraus resultierenden Grusel ist das Ganze doch auch eine ziemlich spannende Sache.

Wir lieben unseren Campo, der auf drei Seiten von Wald umgeben ist. Das ist kein schöner Wald, wie er zum Beispiel in Deutschland zu finden ist und dort auch der Erholung dient. Hier ist es knallhartes Geschäft, das über Jahrzehnte die Böden ruiniert. Aber von weitem können auch Eukalyptus-Bäume schön sein, vor allem einzelne Exemplare, die schon seit vielen Jahren stehen und sich ungehindert entfalten können. Das nährt die Illusion von der unberührten Natur.
Und ganz ehrlich: wir wohnen lieber an diesem Wald, wo wir 10 Jahre unsere Ruhe haben und sich sogar Damwild ansiedelt, als in der Nähe von Äckern und Feldern, wo aus genau dem gleichen Grund Soja angebaut wird, das vier- bis fünfmal von der Aussaat bis zur Ernte mit Glyphosat gespritzt wird.