Vergangene Woche am Dienstag sind wir endlich nach Montevideo gefahren, um den Personalausweis abzuholen. Das war eine Sache von Minuten. Damit sich die lange Fahrtzeit von insgesamt fast sechs Stunden doch noch irgendwie lohnt, haben wir noch einen Abstecher ins Schlaraffenland gemacht. Etwas außerhalb der Stadt, in der Nähe des Flughafens, gibt es ein kleines Gewerbegebiet. Und hier steht ein riesiger Supermarkt der französischen Kette „Geant“, einige tausend Quadratmeter groß, ein Schlaraffenland der ganz besonderen Art. Das dicht besiedelte Küstengebiet ist schon eine ganz andere Welt wie die, die wir in unserer Umgebung gewohnt sind. Wir genossen den Einkauf in angenehm klimatisierten Räumen und wollten das Einkaufsparadies gar nicht mehr verlassen! Draußen erwarteten uns sehr hohe Temperaturen und eine Luftfeuchte von 97%. Die 3% Luft reichten kaum zum Atmen😁. Die Klimaanlage im Auto ist kaputt, es wurde eine sehr schwitzige Fahrt nach Hause!
Am Mittwoch kündigte dann ein heftiger Wind den lang ersehnten Wetterwechsel an. Für den Nachmittag waren Sturmböen vorausgesagt. Die kamen nicht, es blieb beim Wind, dafür fiel kurz nach Mittag der Strom aus. Am Wetter konnte es nicht liegen. Wir warteten also ab, vermuteten eine Wartung an der Leitung und waren zuversichtlich, dass in ein/zwei Stunden der Strom wieder fließt. Nach fünf Stunden entschlossen wir uns dann, den Generator anzuwerfen. Denn trotz Temperatursturz von etwa 10 Grad war es doch immer noch ziemlich warm. Steffen kämpfte fast zwei Stunden mit dem Gerät, baute es teilweise auseinander und wieder zusammen, es funktionierte letztendlich trotzdem nicht. Ein Fall für den Müll! Jetzt mussten die Kühl- und Gefrierschränke gucken, wie sie zurecht kamen, Strom gab es erst mal nicht. Als es dunkel wurde, erleuchteten unsere Akkulampen das Wohnzimmer und ermöglichten wenigstens ein gemütliches Lesen. Gegen Mitternacht war dann auch der Strom wieder da.
Am Donnerstag hatten wir dann endlich unser gewohntes Sommerwetter zurück. In der Nacht hatte es ordentlich abgekühlt. Bei 17 Grad ließ es sich gut schlafen. Ausgeruht machten wir uns am Morgen ans Werk. Die Wiese im Park war ziemlich gewachsen, das Unkraut in den Rabatten auch! Es wartete also viel Arbeit auf uns. Tja, und wie es halt so ist: wenn etwas kaputt geht, bleibt es meist nicht bei dem Einen: nach kurzer Zeit gab der Rasenmäher den Geist auf, die Räder blockierten, kein Mucks mehr, nichts!
Das gute Stück wurde am Freitag auseinander- und dann wieder zusammengeschraubt und erwies uns dann allerdings die Freude, wieder tadellos zu funktionieren!
Ebenfalls am Freitag bekamen die Schafe ihr Antiparasiten-Mittel gespritzt. Daniel half uns tatkräftig dabei, indem er das jeweilige Schaf festhielt und den Kopf weit wegdrehte, weil er keine Spritzen sehen kann, ohne dass ihm der Angstschweiß ausbricht. 110 Schafe waren in knapp zwei Stunden versorgt. Wir haben danach die restlichen Lämmer nun endgültig von den Müttern getrennt, was auf beiden Seiten für ordentlich Protestgeschrei gesorgt hat. Aber wenn die Lämmer so groß sind wie die Mütter, brauchen sie wirklich keine Milch mehr!
Am Samstagmorgen kamen die Schafe wieder auf ihre jeweiligen Weiden. Nachdem die Damen das Nachtgehege verlassen hatten, begrüßten wir auch unseren Bock Philipp wie jeden Morgen und bemerkten einen bekannten, sehr unangenehmen Geruch. Mein Liebling hatte sich am Bein verletzt und nun eine ganz fürchterliche Wunde! Aus einem kleinen Kratzer, den man unter der Wolle nicht bemerkt, kann innerhalb von nur zwei/drei Tagen eine schreckliche Wunde werden, denn die vielen Fliegen bemerken einen Blutstropfen sehr wohl. Ich brauchte über eine halbe Stunde, um die Wunde von den Maden zu säubern! Aber mittlerweile haben wir auch bei solch schlimmen Verletzungen genug Erfahrung und Routine, dass es unseren Schützlingen schon nach kurzer Zeit wieder besser geht und bald alles vollständig verheilt ist. Philipp ist sehr tapfer und genießt nun die vermehrte Zuwendung und Aufmerksamkeit.