Schafschur

Die diesjährige Schafschur ist geschafft !!!!

Wir hatten wieder richtigen Bammel davor, die letzten drei Schuren waren für uns, und die Schafe, die zwei schlimmsten Tage im Jahr. Es muss viel vorbereitet werden. Nach der Schur wird jedes Schaf im Desinfektionsbad gebadet. Das verhindert Parasitenbefall im Fell und die Wunden, die die Schere verursacht hat, werden gleich mit desinfiziert und versiegelt. Dann kann sich auch dort nichts entzünden.

Aus unseren Dickerchen werden in kurzer Zeit Hungerhaken. Viele der Schafe säugen noch ihre Lämmer und sind ziemlich dünn. Aber die Weiden stehen voll mit gutem Grün, sodass sie sich jetzt im Frühling und Sommer wieder eine Speckschicht anfressen können.

Unser bisheriger Schafscherer hat drei Tage vor dem ausgemachten Termin abgesagt. Über den Tierarzt bekamen wir die Adresse eines anderen. Bei uns im Raum ist es schwierig, jemanden zu finden, der professionell Schafe schert. Die meisten Kleinbauern haben nur 10-15 Schafe und scheren ihre Tiere selbst. Und die Großbauern mit mehreren hundert oder tausend Tieren haben eigene Scherer angestellt.

Die zwei Scherer kamen am Montag Vormittag mit einem klapprigen alten Auto und einer noch älteren Schermaschine im Schritttempo angezuckelt. Im Laufe des Tages schafften sie es, 35 Schafe zu scheren und zwischendurch die altersschwache Maschine zu reparieren. Aber trotz dieser Widrigkeiten lief alles sehr ruhig ab, sodass weder die Schafe noch wir allzu gestresst waren. Bei einigen Schafen hatten wir sogar den Eindruck, dass sie ihr Bad genossen und gar nicht mehr aus der Wanne heraus wollten. Es war ein heißer Tag und das Wasser war eine angenehme Erfrischung, wenn man mal von dem Gestank des Desinfektionsmittels absieht.

Am Nachmittag gab die Schermaschine allerdings komplett den Geist auf. Sie wurde wieder auf die Ladefläche des Vehikels geladen. Die Schur war für heute beendet.

Am Dienstag Morgen bei Sonnenaufgang um kurz vor sechs Uhr kletterte unser Schermann über den Zaun ( wir waren gerade aufgestanden und bekamen davon gar nichts mit ) , trieb sich die restlichen Schafe zusammen und begann mit der Handschere zu scheren. Die Maschine war ausgefallen, aber er hatte uns zugesagt, also wird das Ding auch durchgezogen! Ehrenmann!! Der erste, den wir hier kennenlernten.

Auch bei unserem Ex-Scherer versagte einmal die Maschine. Und er lies sich dann eine Woche nicht mehr blicken.

Das Problem hier sind die alten Maschinen, die weder gewartet noch gepflegt werden und für die es auch kaum Ersatzteile gibt. Jeder glaubt, ein guter Mechaniker zu sein und wurstelt an seiner Maschine herum, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Mit abenteuerlichen Dingen wird improvisiert und wenn der deutsche TÜV einen Blick alleine auf die Keilriemen werfen würde, fiele er von einer Ohnmacht in die nächste. Wir halten immer schön Abstand von den Maschinen. Man weiß ja nie 😅

Die restlichen 20 Schafe wurden also mit der Schere geschoren und das ging fast genauso schnell wie maschinell. Es ist das erste Mal, dass wir keine Verluste bei den Tieren hatten. Bisher starben nach jeder Schur zwei bis drei Schafe. Wir bekamen erklärt, das sei normal! Aber es geht auch anders! Wenn man die Tiere etwas pfleglicher behandelt und sie weniger Angst und Stress haben, muß keines sterben. Wir waren mit dem neuen Scherer hochzufrieden und hoffen, dass er die Arbeit im nächsten Jahr wieder übernimmt.

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