
Wieder Zwillinge, wieder ein Flaschenlamm ! Dann hatten wir ein junges Schaf, das das erste Mal Mutter wurde. Sie fand das Baby ja ganz süß, aber so ganz glücklich war sie mit dem Wonneproppen nicht. Die Geburt war lang und schmerzhaft. Das Lamm kam am Freitag-Vormittag zur Welt und die Mutter litt stundenlang. Wir warteten bis zum Abend ab, ob die zwei sich aneinander gewöhnen. Fehlanzeige! Das Lämmchen schrie den ganzen Tag vor Hunger und die Mama war mit Fressen beschäftigt. Also nahmen wir das Lamm auch in unsere Obhut und haben nun 9 Flaschenlämmer. Das ist purer Stress !!!
Am Abend sammelte sich die Herde am Vorplatz und wir hörten ein klägliches Jammern. Mitten drin lag ein Schaf in den Wehen, wieder eine Erstgebärende. Über eine Stunde jammerte und weinte sie. Es war ganz fürchterlich, ihr nicht helfen zu können. Langsam wurde es dunkel. Die Herde musste in die Nachtweide. Ein weiteres Schaf hatte Wehen, schien aber keine Schwierigkeiten zu haben. Die zwei werdenden Mütter leiteten wir in ein kleines Extragehege, damit sie in Ruhe entbinden konnten. Die restliche Herde marschierte brav auf die Nachtweide. Währenddessen jammerte die Erstgebärende weiter. Sehr ungewöhnlich bei Schafen. Dann entdeckte ich die Ursache: der Kopf des Lammes war geboren, der Rest steckte fest!
Vor zwei Jahren hatte ich einen ähnlichen Fall und letztendlich nur das tote Lamm aus der völlig erschöpften Mutter ziehen können. Diesmal mussten wir früher handeln!! Während wir das Schaf schnappten und Geburtshilfe leisteten, brachte nebenan das erfahrene Schaf in aller Seelenruhe sein Lamm zur Welt.
Mit einem „Plopp“ konnte ich das leblose Lamm aus der Mutter ziehen. Dann lag es zuerst reglos im Stroh, bis es plötzlich Luft holte. Es lebte ! Das junge Mutterschaf war zu der Alten und ihrem Lamm geflüchtet. Wir legten das Lämmchen zu den dreien dazu und es war rührend mitanzusehen, wie beide Mütter abwechselnd die Lämmer ableckten. Das Teenie-Schaf noch völlig aufgelöst und die Alte in völliger Ruhe, als schien sie die Junge zu beruhigen. Die vier konnten wir unbesorgt die Nacht über alleine lassen.
Am Samstag Morgen gab es dann wieder Nachwuchs. Eine erfahrene Mutter und ein kräftiges Lamm! Alles in Ordnung.
Wir fütterten unsere 9 Lämmer, machten etwas Ordnung und hofften, dass langsam wieder Ruhe einkehrt. Der Tag verlief ruhig, gefüllt mit viel Arbeit, aber ohne Zwischenfälle. Am Abend kam wieder ein Schaf mit einem neugeborenen Lamm von der Weide. Beide wohlauf! Wir freuten uns ! Dann kam der Schock, völlig unvorbereitet, aus dem Nichts !
Wir wollten die drei Ziegen, die auf der Südweide tagsüber bei den Eseln grasen, in die Nachtweide lassen, es stand allerdings nur eine Ziege wartend am Eingang. Die beiden trächtigen Jungziegen waren nicht dabei. Uns schwante Schreckliches !!!
Es wurde langsam dunkel. Also machten wir uns auf die Suche, nachdem wir „Mariechen“ in ihr Gehege gelassen hatten. Bei zunehmender Dunkelheit fanden wir die beiden Ziegen, ziemlich weit voneinander entfernt, mit ihrem Nachwuchs auf der großen Weide. Einmal Zwillinge, einmal ein kräftiges Zicklein, die Mütter allerdings stur wie Oskar! Keine Chance, sie hinauf ins Nachtgehege zu bekommen. Wir versuchten es eine Stunde lang. Der Mond ging auf und leuchtete uns in der Dunkelheit. Die Kleinen durften wir nicht in der Nacht auf der Weide lassen. Viel zu gefährlich, die Wildnis ist voll von Raubtieren, die sich über die Zicklein hermachen würden. In der Hoffnung, dass uns die Mütter folgen, schnappten wir uns die Kleinen und gingen Richtung Haus. Aber wenn eine Ziege nicht will, dann will sie nicht. Einfangen war unmöglich! Am Ende hatten wir die Zicklein zu unseren Flaschenlämmern gebracht und die Mütter waren in der Dunkelheit verschwunden. Wir werden bis Sonntag Früh warten müssen und hoffen, dass sie ihre Kinder bis dahin nicht vergessen haben.
Unsere Lämmer bekamen ihre Milchflasche heute mit reichlicher Verspätung. Alles ist heute Abend aus dem Ruder geraten. Hoffentlich lässt sich das meiste morgen wieder gerade biegen!!