Fortsetzung 3. Teil

Der Verkaufsleiter für Landmaschinen kam am Donnerstag natürlich nicht und meldete sich weder am Freitag noch am folgenden Samstag.

Am Freitag Vormittag fuhren Steffen und ich nach Tarariras zum Einkaufen, während Daniel das Schaf schlachtete, das wir am Vorabend noch ausgesucht und von der Herde getrennt hatten. Wir waren gerade wieder zu Hause und schleppten unsere Einkäufe ins Haus, als ein fahrender Händler ankam und uns seine Bücher anpries. Diese Verkaufsart ist in den fernen Weiten der Pampa durchaus üblich und viele Bauern fernab der Zivilisation sind wohl froh, wenn ab und zu jemand vorbei kommt, und sei es auch nur ein Handelsvertreter. Immer wieder kommt mal jemand vorbei und versucht uns Kleidung, Hausrat oder Werkzeug zu verkaufen. Der Buchverkäufer ergriff relativ schnell die Flucht, als unser Hund sich dazu gesellte und mit ihm spielen wollte.

Daniel war über Mittag nach Hause gefahren und hatte das Schafsfleisch mitgenommen, um es in seiner Kühltruhe zu parken. Dort war es vor den vielen Fliegen sicher, die noch immer in Scharen herumfliegen und innerhalb von Stunden ein Fleischstück ungenießbar machen. Bis wir um 16 Uhr das Feuer entzünden wollten, war noch ausreichend Zeit. Die Salate waren schnell gemacht und zwischendurch buken die Brote nach und nach im Backofen. Wir hatten sogar noch Zeit für eine Siesta !

Zur ausgemachten Zeit entzündeten Steffen und ich ein Feuer. Es würde einige Zeit dauern, bis genug Glut vorhanden war, um das Schaf zu grillen. Daniel lies sich natürlich noch nicht blicken. Eine halbe Stunde später versuchte Steffen, ihn telefonisch zu erreichen, nach einer weiteren halben Stunde kam er gemütlich angefahren. Daniel begutachtete unser Feuer, entschied dann : alles falsch ! und begann damit, unser Werk zu zerstören. Falsches Holz, falsche Technik! Nein, so geht das nicht. Wir ließen also den Meister machen und beschränkten uns aufs Zusehen. Asado ist eine heilige Sache, da darf kein Ausländer ran, und sei er tausendmal der Chef !

Dann hieß es : Warten !

Um 18 Uhr versorgten wir die Tiere, ich ging mit dem Hund Gassi, und wir warteten. Um halb acht Uhr kam eine Nachricht aufs Handy : wir sind unterwegs. Da wussten wir, dass wenigstens unser italienisches Ehepaar im Anmarsch war. Wer noch und vor allem Wieviele kommen würden, wussten wir allerdings nicht. Gegen 21 Uhr tauchte dann der in Uruguay lebende und deutsch sprechende Argentinier, den Steffen auf der remate kennengelernt hatte, mit seiner Frau und den zwei Kindern auf. Kindern, die hochintelligent waren, neugierig auf uns und die Tiere und die uns gleich mit tausenderlei Fragen in Beschlag nahmen. Solchen Kindern waren wir hier noch nie begegnet ! Um 22 Uhr kam dann, wie wir meinten, unser letzter Gast mit Partnerin und wir konnten uns endlich dem Essen widmen. Der Meister am Grill hatte ganze Arbeit geleistet ! Das Schaf war nicht umsonst gestorben !

Nachdem der Tisch abgeräumt war und wir uns dem gemütlichen Teil des Abends widmeten, kam kurz vor Mitternacht ein weiteres Auto angefahren. Noch ein Gast ? Wir konnten uns nicht vorstellen, wer das sein könnte und blickten den zwei Männern, die aus dem Auto stiegen, erwartungsvoll entgegen. Der eine war der Chauffeur, der andere ein bekannter Geschäftsmann und eine politische Größe in Uruguay. Wir trauten unseren Augen nicht. Besagter Señor war auch am Montag beim Nudelessen als Gast dabei, bekam von unserer Einladung mit ( ich hätte mich nie getraut, ihn einzuladen ) und ließ es sich nicht nehmen, nach getaner Arbeit nun bei uns vorbei zu schauen. Daniel und die Familie erschraken sichtlich und Daniel entfachte hektisch und völlig neben der Spur erneut das Feuer, um dem hohen Gast noch ein Essen zu bereiten. Die anderen Gäste kannten ihn und es entspann eine feuchtfröhliche Unterhaltung, man aß und trank und der Chauffeur nickte, nachdem er gegessen hatte, auf seinem Stuhl ein und schlief den Schlaf der Gerechten. Unser später Gast ist ein herzlicher, netter Mensch und wir fühlten uns ehrlich geehrt, dass er etwas von seiner kostbaren Zeit uns gewidmet hatte.

Um 2 Uhr lagen wir glücklich und zufrieden im Bett. Wir hatten die Gäste verabschiedet, die sich bei uns sichtlich wohlgefühlt hatten. Wir haben unsere erste große Feier mit Bravour bestanden, uns in der spanischen Sprache wacker geschlagen und wieder einen großen Schritt in Richtung Integration getan.

Der Samstag Vormittag wurde dem Aufräumen und Saubermachen gewidmet, da wir am Nachmittag noch einmal Gäste erwarteten. Es wurde wieder ein schöner Tag, und wir genossen es, die ganze Unterhaltung diesmal auf deutsch führen zu dürfen. Da schwätzt es sich doch viel einfacher und die Worte kommen ohne den langen Umweg über das Gehirn zum Übersetzen aus dem Mund.

Heute, am Sonntag, wechseln sich draußen die Regenschauer ab. Das Geschirr ist verräumt, die Gläser sind gespült und nun sitzen wir gemütlich auf dem Sofa und lassen die vergangenen neun Tage noch einmal Revue passieren.

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