Fortsetzung 2. Teil

Am Donnerstag Früh tauchte Daniel immer noch nicht auf. Langsam bekamen wir Wut, die sich im Verlauf des Vormittags weiter steigerte. Hinterhertelefonieren wollten wir ihm nicht, beschlossen aber dann irgendwann, ihn nun endgültig und fristlos zu entlassen, weil er dieses Verhalten nicht zum ersten Mal an den Tag legte. Private Erledigungen haben für ihn immer Vorrang. Sei es die Krankheit seines Sohnes, eine entlaufene Kuh oder ein kaputtes Auto. Wir als Arbeitgeber sind zur pünktlichen Gehaltszahlung verpflichtet, haben aber keine Möglichkeit, irgendeinen Druck auf den Angestellten auszuüben. Suchen wir das Gespräch, versteht er unseren Ärger nicht oder ist beleidigt und stellt die Arbeit vorübergehend oder ganz ein. Die Arbeitsauffassung und Denkweise der hiesigen Menschen unterscheidet sich ganz gewaltig vom europäischen Denken. Da treffen Welten aufeinander, die entfernter nicht sein können. Wir verzweifeln oft an deren Denkweise, genau so, wie die uns nicht verstehen. Im Großen und Ganzen klappt das Miteinander mit etwas gutem Willen von beiden Seiten ganz gut. Aber es gibt auch immer wieder Situationen, die uns fast in den Wahnsinn treiben. Irene, Daniels Frau, kommt einmal in der Woche für drei Stunden zum Putzen. Mehr oder weniger. Dass sie in dieser Woche nicht kam, war eigentlich vorauszusehen. Als Eltern hatten wir Verständnis für ihr Verhalten, als Arbeitgeber nicht. Vor allem, weil sie sich nicht mal abmeldete und auch Daniel sie mit keiner Silbe erwähnte.

Am Vormittag wollten wir mit den Vorbereitungen für die Feier am Freitag beginnen. Ich wollte einen großen Feuerplatz vor dem Galpon haben, um darauf das Schaf zu grillen. Tische und Stühle sollten im Galpon aufgestellt werden, da das Wetter weiter unbeständig war. Dafür musste allerdings der gesamte Fuhrpark, die Autos, der Traktor und die großen Landmaschinen, die überall herum standen, aus dem Weg geschafft werden. Eigentlich Daniels Aufgabe ! In unserem Ärger widmeten wir uns erst einmal der Gartenarbeit, um einige der gekauften Pflanzen zu verbuddeln.

Da wir einen Teil der Maschinen verkaufen wollen, hat Steffen Kontakt mit einem Angestellten einer Firma für Landmaschinen aufgenommen. Dieser wollte an diesem Donnerstag im Laufe des Tages vorbei kommen, sagte allerdings nicht, wann wir in etwa mit ihm rechnen können.

Gegen halb elf Uhr näherte sich auf der Straße langsam ein Auto mit sehr merkwürdigen Geräuschen. Wir beachteten es nicht, erst als es auf unsere Zufahrtsstraße zum Haus einbog. Ohne Windschutzscheibe, einem Platten auf der vorderen Beifahrerseite und einer zu einem V eingedellten Beifahrertür ohne Außenspiegel näherte sich unser Daniel seinem Arbeitsplatz. Sofort war unser Ärger verschwunden. Wir erkundigten uns nach seinem Befinden, fragten, was denn um Himmelswillen passiert sei und ob noch Beifahrer bei dem Unfall mit im Auto saßen. Wie sich herausstellte, war Daniel am Samstagabend nach der remate, nachdem er Steffen und den Ziegenbock zuhause abgeliefert hatte, nicht mehr fahrtüchtig, weil betrunken, auf der 11 km langen Heimfahrt auf dem Schotterweg ins Schleudern geraten und gegen einen Betonpfeiler geprallt. Ihm war Gott sei Dank nichts passiert, das Auto allerdings Schrott. Aber es fährt noch 😁

Mit dem frisch gekauften Pannenspray ( Es geht doch nichts über Vorratshaltung ) konnten wir wenigstens den Reifen wieder richten. Dann konnte endlich der gesamte Fuhrpark entfernt werden. Währenddessen erzählte Daniel, dass er bei einem etwas entfernten Nachbarn unseren jungen, 7 Monate alten Ziegenbock gegen einen anderen eintauschen könne. Nachdem die Maschinen beiseite geschafft waren, wurde der weiße Ziegenbock auf den Trailer geladen. Dabei bemerkte Steffen bei diesem einen weiteren Platten. Der Vierte in dieser Woche !

Während die Männer unterwegs waren, säuberte ich den Galpon und widmete mich meinen Vorbereitungen.

Am Abend, nach getaner Arbeit, waren wir wie jeden Abend mit unserem Hund auf der Straße zum „Gassigehen“ unterwegs, als uns ein Polizeiauto entgegen kam. Der Polizist begrüßte uns freundlich und erkundigte sich nach dem Campo unseres direkten Nachbarn. Wir wiesen ihm den Weg und überlegten, was das denn nun zu bedeuten habe. Die Antwort bekamen wir eine Stunde später. Wir waren längst wieder zu Hause, als der Polizist mit unserem Nachbarn Alberto zu uns kam. Alberto hat ein 80 ha großes Grundstück, mit Kiefernwald und verwunschener Flusslandschaft. Mittendrin befindet sich auf einem Hügel ein großes Gebäude, welches er für seine esoterischen Seminare nutzt. Dort war am vergangenen Wochenende eingebrochen worden. Der oder die Diebe stahlen 16 Plastikstühle, mehrere Decken und einen Spiegel 😯 ! Wir wurden befragt, ob wir etwas bemerkt hätten, verneinten Wahrheitsgemäß und der Polizist schrieb sein Protokoll.

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