Verluste…….

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Die Lämmer kommen weiterhin zügig zur Welt. Fast jeden Morgen können wir einen neuen Erdenbürger begrüßen. Von bisher 14 Winzlingen sind 12 putzmunter und gesund zur Welt gekommen. Am Sonntag Früh jedoch lag ein kleines, schwaches Bündel auf der feuchten Erde und konnte nicht aufstehen. Die Mutter stand daneben, hatte es nach der Geburt allerdings nicht abgeleckt. Das ist immer ein schlechtes Zeichen.

Der Instinkt sagt der Mutter, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist. Das war hier wohl nicht der Fall. Wir wollten einige Zeit abwarten, ob sich das Kleine noch erholt und aufsteht. Am Nachmittag lag das Lämmchen immer noch im Gras, die Mutter saß daneben. Es einfach liegen und damit sterben zu lassen, brachten wir nicht übers Herz. Also packte ich das Wollbündel ein und legte es erst einmal ins Waschbecken mit warmem Wasser, um es zu säubern und wieder auf Temperatur zu bringen.  Nachdem es trockengerubbelt war, wurde die Mutter eingefangen, damit wir das Lämmchen ans Euter legen konnten. Das Euter war leer, keine Milch, keine Chance ! Die Natur ist manchmal ziemlich hart. Das Kind war nicht lebensfähig, also musste die Mutter auch keine Milch produzieren. Es war zur Welt gekommen, um zu sterben.

So schnell wollten wir allerdings nicht aufgeben. Wir nahmen das Lamm mit ins Haus und fütterten mit der Flasche. Milchpulver zur Tieraufzucht habe ich für den Notfall immer im Haus. Man kann ja nie wissen, was passiert. Unser Schützling hatte Hunger, trank gierig aus der Flasche und machte mit uns danach noch einen kleinen Spaziergang durch den Park. Es kam so langsam auf die Beine, die Atmung gefiel mir allerdings nicht. Entweder hatte es während der Geburt Fruchtwasser eingeatmet und bereitete nun Schwierigkeiten, oder, was wahrscheinlicher  war, irgendetwas stimmte mit den Schluck- und Atemorganen nicht und die Milch floss, anstatt in die Speißeröhre, in die Luftröhre.

Wir fütterten unseren kleinen Schatz alle zwei Stunden, auch in der Nacht, sein Zustand wollte sich allerdings nicht bessern. Nachts um vier Uhr konnte es wieder nicht aufstehen und röchelte schwer. Ich bettete es in einen Berg von Handtüchern, und rechnete eigentlich nicht damit, daß es am Morgen noch am Leben war. Um sechs Uhr stand ich auf, weil mich ein Stöhnen geweckt hatte. Das Lämmchen lebte noch, die Atmung fiel aber sehr schwer. Während Steffen das Frühstück bereitete, hatte ich das Fellbündel auf dem Arm und streichelte das sterbende Tierchen, bis es nach fast zwei Stunden ganz entspannt und friedlich seinen letzten Atemzug tat.

Die Tiere werden vom Instinkt geleitet und haben es damit einfacher, Verluste zu verkraften. Das Schaf wäre bei seinem Lamm geblieben, bis dieses gestorben war. Danach wäre es zurück zur Herde gelaufen und die Sache wäre erledigt gewesen. Uns fällt es auch nach drei Jahren Lämmeraufzucht immer noch schwer, allzu schnell aufzugeben. Obwohl einem der Verstand sagt, daß es keinen Sinn hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt ! Letztendlich müssen wir das Sterben aber doch akzeptieren. Bei den Schafen rechnet man im Normalfall mit bis zu 20% Verlusten. Wir versuchen, die Quote zu drosseln, indem wir täglich unsere Tiere kontrollieren, bei Verletzungen oder Krankheiten sofort handeln, werden aber trotz aller Mühe nicht verhindern können, daß uns ab und zu eines der Tiere stirbt.

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