
Der Grenzzaun zum Nachbarn ist fertiggestellt. Für die Zäune der Grundstücksgrenze gibt es in Uruguay genaue Vorgaben. Erst einmal muss jedes Grundstück eingezäunt sein, egal wie groß es ist. Ob 2 oder 200 Hektar, spielt keine Rolle. Ein Zaun muss her. Und da fast das gesamte Land in Privatbesitz ist, stößt man immer, sobald man den Weg oder die Straße verläst, auf einen Zaun. Mit sieben Drähten !! Der Abstand der Drähte und Pfosten ist auch festgelegt. Aus diesem Grunde lässt man die Zaunarbeiten von Profis machen. Sie wissen genau, wieviel Material benötigt wird und wielange man, je nach Bodenbeschaffenheit, für die Ausführung braucht.
Unser Grenzzaun zum Nachbarn war sehr marode und mit Büschen und Bäumen zugewachsen. Diese mussten erst einmal entfernt werden. Das machte die meiste Arbeit. Über einige Wochen wurde gesägt und ausgeschnitten, große Holzhaufen sammelten sich am Rand der Grenze und natürlich fiel auch wieder reichlich Brennholz an. Als das Ende der Arbeiten absehbar war, wurden die Zaunmacher bestellt. Sie bekamen die genaue Länge und Bodenverhältnisse mitgeteilt und gaben uns daraufhin eine Einkaufsliste der benötigten Materialien. Damit gingen Steffen und Daniel mit großem Gefährt auf Einkaufstour und bald lagen Drahtrollen und Holzlatten bergeweise bereit.
Die veranschlagten zwei Tage waren gut berechnet. Nach dieser Zeit war alles fertig und die neuen Holzlatten leuchteten schon von weitem in der Sonne. Die Kosten für die ganze Aktion werden von beiden Grundstücksbesitzern getragen.
Der neue Zaun war nötig geworden, weil wir unsere Schafherde auch auf die Südweide zum Grasen bringen wollten. Hier hat es mehrere Quellen, alles ist saftig grün und wächst schneller, als die Pferde und Esel fressen können. Unterstützung bekommen sie nun von unseren lebenden Rasenmähern. Bäume ausschneiden erübrigt sich auch, diese Arbeit übernehmen die Ziegen. Bevor es losging, montierte Steffen noch einige Absperrungen innerhalb der Weide, weil wir die Pferde und Esel von der übrigen Herde getrennt halten wollten. Unsere Eselin Lizzy lebt weiterhin bei ihren Schafen und Ziegen und hat an ihren Artgenossen kein großes Interesse. Im Gegensatz zum Eselmann, der momentan unter Hormonüberschuss leidet und natürlich sofort mitbekam, daß sich ein junges Eselfräulein in nächster Nachbarschaft befindet. Lizzy war keine zwei Minuten auf der neuen Weide, als der Eselhengst auch schon die Absperrung überwunden hatte und seiner neuen Herzdame lauthals Avancen machte. Eigentlich soll ein Elektrozaun für Ordung sorgen. Wir hatten allerdings den Strom abgestellt, als wir die Schafe in ihre neue Umgebung brachten, um selbst nicht dauernd einen Stromschlag zu bekommen, wenn wir über die Zäune klettern. So werden wir wohl im April des nächsten Jahres ein Eselfohlen begrüßen dürfen. 😁Bis zum Abend gelang es uns dann auch, den überhitzten Eselmann auf seine Seite der Weide zu bringen, wo ihn seine Eselfrau auch schon sehnsüchtig erwartete. Ob sie ihm wegen seines spontanen Seitensprungs Vorhaltungen gemacht hat, wissen wir nicht. Lange hing der Haussegen jedenfalls nicht schief, sie grasen wieder in trauter Eintracht und warten am Abend gemeinsam am Zaun auf uns, um ihre Leckerli und Streicheleinheiten in Empfang zu nehmen.
Die buntgemischte Herde hat die neue Weide schnell angenommen. Problemlos marschieren die 64 Tiere jeden Morgen in ihr neues Reich, am Abend warten sie schon geduldig am Ausgang bis wir kommen und die Tore zur Nachtweide öffnen. Einzig die steile Steigung bereitet unseren Dickerchen einige Mühe. Das Gelände ist nicht so schön eben wie die Nordseite, sondern fällt zum Fluss hin teilweise recht steil ab. Um am Abend „nach Hause“ zu kommen, müssen sie den Hügel erklimmen, und das ist mit vollgefressenen Bäuchen eine ziemliche Zumutung !