Schnitzeljagd im Hauptzollamt

996F64FD-7999-4385-94E6-3E09D1A3BB2BDieses imposante Gebäude steht im Hafen von Montevideo und beherbergt die Zollbehörde.

Wir haben für den Inhalt unseres Containers eine Kaution von 3000 US-Dollar beim Zoll hinterlegen müssen. Jetzt, da wir die Daueraufenthaltsgenehmigung haben, bekommen wir das Geld zurück. Aber nicht automatisch! Man muß persönlich vorstellig werden und die Rückgabe beantragen. Dafür haben wir zum Glück unsere Einwanderungshelferin gebeten, uns zu begleiten.

Am Montagvormittag um halb elf Uhr betraten wir also zu dritt das ehrwürdige  Gebäude. Grisel kannte es natürlich schon, Steffen und ich waren beeindruckt. Vier Meter hohe Decken liesen uns darin ziemlich klein erscheinen. An den Schaltern im Erdgeschoss begann unser Behördenmarathon. Man lies uns erst einmal warten, mit Kundschaft hatte man wohl nicht gerechnet. Eine Dame wedelte mit erhobenen Händen mit den Fingern, damit der frisch aufgetragene Nagellack schneller trocknet. Eine weitere stillte ihren Durst in einer Seelenruhe am Wasserspender, zwei Kolleginnen unterhielten sich angeregt, ein Herr starrte angestrengt auf einen Computerbildschirm. Nein, Kundschaft konnte man da wirklich nicht gebrauchen. Wir verbrachten die Wartezeit mit einer genaueren Inspektion der Halle, in der wir uns befanden. Die Arbeitsplätze waren durch Glasscheiben vom Wartebereich getrennt. Riesige Fenster gaben den Blick nach draußen, auf die Zufahrt in den Hafen, frei, Zimmerpflanzen bevölkerten die alten Möbel, Weihnachtsdekoration glitzerte in Form von bunten Kugeln und blinkenden Plastikbäumchen.

Dann endlich wurde doch jemand auf uns aufmerksam. Eine Dame fragte nach unserem Begehr, besprach sich dann mit ihrem Kollegen und drückte uns ein Formular in die Hand.  Bitte ausfüllen !!

Nach einer weiteren Wartezeit, der Zettel war schnell ausgefüllt, teilte uns die Dame mit, daß unser Blatt Papier nun in den zweiten Stock gebracht werden müsse……aber nicht von uns ! Wir sollten in einer halben Stunde wieder kommen und uns im Büro im zweiten Stock melden. Wir verliesen also das Gebäude, um in einem der umliegenden Cafés zu warten. Pünktlich waren wir wieder vor Ort. Um in das Allerheiligste zu gelangen, mußten wir bei der Pförtnerin unsere Ausweise abgeben, dann ging es hinein in das Labyrinth. Ewig lange Gänge, hohe Decken und rechts und links einige Türen, die in die dahinterliegenden Büros führten. An beiden Enden des langen Ganges sahen wir die gusseisernen Geländer, mit ausgetretenen Marmorstufen, sicher noch aus dem vorletzten Jahrhundert. Beeindruckt machten wir uns auf den Weg in den zweiten Stock, verloren kurz die Orientierung, fanden dann aber die richtige Nummer unseres Büros. Dort bekamen wir unser abgestempeltes Formular, mit der Bitte, es im dritten Stock an der Kasse abzugeben. Kleine Schießscharten befanden sich in den Wänden, mit Eisenstangen gesichert und einem Holzladen verschlossen. Auf unser klingeln hin hob sich einer der Läden und ein Frauengesicht kam zum Vorschein. Sie nahm unser Formular, tippte etwas in den Computer und schickte uns in ein anderes Büro im zweiten Stock. Dort teilte man uns mit, der Chef müsse das Papier unterschreiben, sei aber gerade in einer Besprechung, wir sollten in einer Stunde wieder kommen.

Wir nutzten die Zeit zum Mittagessen.

Die Besprechung dauerte dann doch etwas länger, danach bekamen wir unser Formular und wurden zum Abstempeln ins Erdgeschoss geschickt. Ein weiteres Formular sollte ausgefüllt werden, das durften wir selbst in den zweiten Stock bringen, diesmal in einer ganz anderen Richtung. Wie kommen wir hier eigentlich wieder raus ?

Wir fanden die Nummer des gesuchten Büros, Grisel wollte klopfen……durch die Glastür bemerkten wir zwei Mitarbeiterinnen, die mit der Weihnachtsdekoration beschäftigt waren. „Wir warten“, presste Grisel heraus und versuchte, ihren Ärger unter Kontrolle zu halten. Steffen und ich waren nur noch am Lachen !!! Wir kamen uns wie im Theater vor, als Zuschauer und Akteure einer Kommödie.

Nachdem die Glastüren dekoriert waren, bemerkte uns die kleine kugelige Sekretärin und bat uns herein. Der von uns gesuchte Herr hatte seinen Schreibtisch im Nebenraum und war gerade……nicht da. Ei, wo ist er denn ? Auf der Toilette, ja, das muss auch mal sein. Wir prusteten vor Lachen, lobten die Dekoration im Büro und mit vor Stolz leicht geröteten Wangen bot uns die Sekretärin doch tatsächlich Stühle an. Wir durften im Büro warten ! Dann endlich kam der sehnlichst erwartete Mensch hemdsärmelig an seinen Arbeitsplatz, tippte kurz auf der Tastatur, wollte unsere Bankverbindung und sagte den ersehnten Satz : Alles in Ordung, übermorgen haben sie ihr Geld. Halleluja!!!!

Aber : Wenn das Geld auf unserem Konto ist, müssen wir uns noch mal melden. Wo, das wisse er auch nicht, dafür ist er nicht zuständig, wir sollten an der Kasse im dritten Stock noch mal nachfragen!

Och, im Keller waren wir auch noch nicht !

Die Dame im dritten Stock erklärte uns dann, eine kurze Mitteilung per Mail reiche völlig aus.

Applaus, Applaus, der Vorhang fiel. Schade eigentlich, wir hätten noch weitere zwei Stunden an diesem merkwürdigen Kammerspiel teilgenommen. Grisel konnte unsere gute Laune gar nicht so richtig verstehen. Sie hat sich geärgert und ich glaube, es war ihr auch etwas peinlich. Muß es nicht, liebe Grisel, du hast deine Arbeit gut gemacht und wir haben uns köstlich amüsiert!

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