Ausgetrickst

IMG_1618IMG_1620Nach der zweiten Attacke auf unser Lämmchen stand fest, die Esel müssen von den Schafen getrennt werden. Blieb nur die Frage : Wie ?  Auf der Südseite bei den Pferden ist genug Platz, nur leider sind die beiden Sturköpfe weder zahm noch lassen sie sich mit lecker Essen locken. Das bereitete uns einiges Kopfzerbrechen,  bis ich nach einer ziemlich schlaflosen Nacht ( daß ich momentan schlecht schlafe, liegt nicht an den Eseln, aber wenn ich eh wach liege, kann ich mir ja so meine Gedanken machen 🤔) auf eine simple wie geniale Idee kam : Herdentrieb !!!!

Wenn ich meine Herde rufe, kommen sie alle angelaufen, Ziegen, Schafe und die Esel. Also musste ich sie am Morgen nur aus dem Gehege lassen, eine Schüssel mit gemahlenem Mais vorzeigen und sie schön rufen. Die Gier wird sie dann schon treiben. So der Plan. Gesagt, getan. Alles klappte relativ gut, bis ich an der Südweide den Eingang geöffnet hatte, meine Herde brav im Schlepptau, und sorglos rief : Kommt. Das ist das Wort, auf das sie geprägt sind, leider auch die Pferde. Und die hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar. Sie nahmen das Wort auch zur Aufforderung und trabten freudig herbei, vielleicht etwas verwundert darüber, daß es heute schon in der Früh Leckerli gibt. Der Gegenverkehr brachte meine verschlafene Herde dann völlig aus dem Konzept. Alles rannte wild durcheinander. Schließlich einigten sich alle auf eine Richtung : die zurück ins Schlafgehege. Esel und Pferde hinter her. Da stand ich nun ziemlich ärgerlich über mich selbst. Aber gut. Das war’s erst mal. Bis sie sich alle beruhigt hatten, war nichts zu machen.

Am Nachmittag versuchte ich dann erst einmal, die Pferde wieder auf die Südweide zu bringen. Das klappt mit einer Schüssel Mais ausgezeichnet. Mein Brauner läuft hinter der Schüssel her bis an den Nordpol, wenn es sein muß, vorausgesetzt, er darf zwischendurch immer mal naschen. Und Navideño läuft dem Braunen wie ein Hundchen hinterher. Nach einigen Minuten waren sie wieder auf ihrem Platz. Damit sie mir bei der Umzugsaktion nicht wieder dazwischen funkten, gab ich mich sehr großzügig und versorgte sie mit soviel Mais, daß sie die nächste Viertelstunde erst mal beschäftigt waren.

Am Nachmittag versammelt sich die Herde in der Nähe ihres Schlafplatzes. Ich brauchte sie hier nur abzufangen und wieder Richtung Süden zu locken. Diesmal klappte es perfekt. Die gierigen Ziegen folgten meiner Maisschüssel und der Rest der Herde lief wie von selbst hinter her. Als sie sich alle, einschließlich der Esel, auf der Südweide befanden, verschloß Steffen den Eingang mit dem Elektrodraht in Brusthöhe der Esel. Die waren uns sicher ! Ehe sie begriffen, in welche Falle  sie getappt waren, schlüpfte ich durch den Zaun, den unser Gelände von der Straße trennt und lief draußen wieder Richtung verschlossenem Eingang zurück. Auf der Innenseite folgten mir die Ziegen. Ich hatte ja immer noch die Maisschüssel ! Die ganze Bande machte kehrt und lief wieder zurück, unter dem Draht hindurch wieder in ihr eigenes Gehege. Lizzy, ganz Schaf, bückte sich galant und schlüpfte ebenfalls hindurch, die beiden Esel allerdings standen vor verschlossener Tür !

Jetzt hat alles wieder seine Ordnung. Die Esel und Pferde auf der Südseite, Lizzy, die Schafe und Ziegen auf der Nordseite. Die Esel brauchen einige Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, fühlten sie sich doch immer als Teil der großen Herde. Aber Gewalt wird nicht geduldet, jetzt müssen sie mit den Konzequenzen leben. Und das werden sie. Gestern Abend bei der “ Leckerli- Fütterung “ fraß mir der Eselmann ein Apfelstück aus der Hand und ließ sich kraulen. Auch Navideño verliert langsam seine Scheu und lässt uns bis auf einen halben Meter Sicherheitsabstand an sich heran. Er ist lange nicht mehr so nervös und schreckhaft.

Lizzy, ganz Schaf, vermisst ihre Artgenossen nicht im Geringsten. Wir haben eher den Eindruck, daß sie ihre Stellung und die Ruhe geniest. Wir sollten ihr vielleicht doch mal einen Spiegel vorhalten, damit sie begreift, daß sie ein Esel und kein Schaf ist 😂

Unserem Lämmchen, übrigens ein kleiner Schafbock, geht es wieder gut. Der abgebissene Schwanz ist gut verheilt, nur das Hinterbein leider nicht mehr zu gebrauchen. Und so flitzt der kleine Wildfang auf drei Beinen zwischen seinen Artgenossen umher, daß seine Mutter immer am Blöken ist und ihn sucht.

 

 

 

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